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Mittwoch, 21. Januar 2026

Der Sinn des Lebens

Am Wochenende habe ich Fotos auf meinem Handy durchsucht. Eine mir bis dahin unbekannte Suchfunktion eröffnete mir Bilder, von deren Existenz ich gar nicht wusste. Ich glaube, sie dokumentieren meinen letzten Brand in meinem kleinen Ofen. Diesen Ofen wollte ich eigentlich mit nach Bremen nehmen. Aber da ich ein großes Haus, in dem vier Leute gewohnt und gelebt hatten, so verkleinern musste, dass es in ein kleines Haus passte und mich diese Aufgabe ehrlicherweise völlig und total und ganz und gar überforderte und mir in dem Zusammenhang klar wurde, dass ich nicht weiß, wer und wie man diesen Ofen in das Haus bekommen kann, habe ich ihn abgegeben. In meiner Verzweiflung war mir das nur recht. Seit einiger Zeit merke ich, dass sie mir fehlt, die Möglichkeit zu brennen. 
(Jetzt gäbe es sogar eine Möglichkeit diesen Ofen in mein Hinterhöfchen zu bekommen. Aber jetzt ist schon soviel Wasser den Rhein und die Weser und die Wupper heruntergeflossen...) 
 

Und was hat das mit einem Sinn für das Leben zu tun? 
Es ist ein Abschied gewesen. Nicht ganz frei gewählt, sondern aus den Umständen entstanden. Ich habe schon einmal erwähnt, dass ich in Haushalten geputzt und auch alte, durchs altern eingeschränkte Leute begleitet habe. In beiden Szenarien kann man sehen was geschieht, wenn Menschen den Zenit ihres Lebens überschritten haben und auf Unterstützung angewiesen sind. Das geht zum Glück nicht immer Knall auf Fall, meistens eher peu à peu. 
Den wenigsten fällt es leicht, sich einzugestehen, dass dies oder jenes einfach nicht mehr geht. Identitätstiftende Gewohnheiten müssen zugunsten der Bewältigung des Alltags abgelegt werden. Wie auch immer, vielleicht sind Abschiede nicht in jedem Lebenslauf auffällig. Ich hatte für mich den Eindruck gewonnen, dass ich über mein Leben für den Finalen übe.
Aber alle Abschiede fand ich gar nicht schlecht. Sie können große Erleichterung herbei führen. Vielleicht sind Abschiede also zur Erleichterung gedacht und nicht der Sinn des Lebens.
 
Na also, wer hätte es gedacht? 
 
Ich weiß auch nicht, was der Sinn des Lebens ist....😜



 
Aber eines weiß ich genau, ich bin ganz schön neugierig, auf die Sachen da, die ich angefertigt hatte. Außer der Dose mit dem Rotkehlchen weiß ich von nix.  (ich bin gerade ganz unsicher: ist das überhaupt ein Rotkehlchen? Ich wüsste jemanden, der es weiß, aber ich glaube der tummelt sich nicht mehr hier auf dieser Seite. Weiß jemand anderes Bescheid?)

Sonntag, 19. Oktober 2025

Zu Dankbarkeit verpflichtet

Ist man künstlerisch talentiert, soll man dankbar sein. 
(Jedenfalls kam es mir oft so vor. Aber vielleicht erliege ich ja einem Irrtum. ;D)
 
Atelierfenster mit Pflanzen aus Corfu
Warum ist das so? warum wird bei Talent eine besondere Dankbarkeit erwartet? Natürlich werden auch andere Talente bewundert. Aber gerade wenn es um künstlerisches Talent geht, gilt ja auch die Aufforderung, dass man das nicht brachliegen lassen darf. 
Es ist natürlich schön, sich künstlerisch ausdrücken zu können. Doch ist der Drang es zu müssen gar nicht zwingend angenehm. Wenn man von Kunst leben muss, sind noch viele andere Talente gefragt, wie zum Beispiel das Talent zur Selbstdarstellung. Da man sich ja in der Regel selbst vermarkten muss, ist es nicht schlecht, wenn man leichten Umgang pflegen kann. Man sollte sich selbstsicher unter Kollegen bewegen können, denn man sollte in Künstlerkreisen verkehren, ins Gespräch kommen und im Gespräch bleiben. 
Es braucht nicht ein Talent, um als Künstler froh zu werden, sondern einige. Und die benötigten, gehen manchem Künstlern ab.

Derzeit ist mein künstlerischen Leben so, dass ich kaum dazu komme. Und tatsächlich fühlt sich das wie Hunger an
 
Und solche Kritzeleien zwischendurch sind wie ein paar Erdnüsse bei Kohldampf

Oft schon wollte ich alles hinschmeißen, denn zu all dem bewundernwerten Talent braucht es Beziehungen, sogenanntes Vitamin B, man spürt, wenn es fehlt. 
Hat man das nicht, sollte man sehr mutig und selbstsicher sein, um das Stadium der Selbstausbeutung hinter sich lassen zu können.

Nachdem ich nun drei Jahre in einer neuen Umgebung, einer anderen Stadt lebe und mich demnächst vielleicht in meiner freien Zeit nicht mehr um die Renovierung des Hauses, in dem ich lebe, kümmern muss, könnte ich wieder ganz von vorne anfangen. 
 
Uiuiuiuiuiuiuiiii !!! 🙈
 
 
auf dieser keramischen Stehle kann die corfiotische Pflanze durch den Winter ranken


Es gibt vieles, für das ich dankbar bin. Ich bin auch sehr froh, dass ich mich mit Schönheit und Ästhetik umgeben kann. Das spendet mir Trost und freut mich. Und sollte ich mit meiner Kunst einmal Glück haben, dann auch dafür. 
Heute habe ich ein paar Pflanzen, Ableger von Pflanzen unserer Verwandten auf Corfu, ins Haus geräumt.  
Dieses Jahr geht es ihnen wieder richtig gut. Jetzt stehen sie auf einer Fensterbank im Atelier, in und bei Keramiken aus meiner Hand.


Freitag, 13. Juni 2025

unfähig zur Handlung

Ich habe große Lust etwas zu tun. Tatsächlich auch schon bevor ich zum Stillstand verdonnert war. Seit Anfang des Jahres, geben meine Daumen- grundgelenke zu, dass ich sehr viel mit den Händen gearbeitet habe und mit den Jahren dabei auch noch gealtert bin. Die Wahrheit ist, es zeigt sich am Verschleiß. Jetzt habe ich mir auch noch einen Knochen gebrochen. Ich bin einigermaßen frustriert, zumal ich feststellen musste, dass die ärztliche Versorgung eigentlich nicht funk-tionierte. Nach zwei-einhalb Wochen befand sich mein Arm immer noch in der Notversorgung des Hospitals. Immerhin weiß ich jetzt, dass das meiner Heilung nicht schaden wird. 
 
 
Außer der geliebten Arbeit fehlt mir auch ein Ritual. Wenn ich arbeite, trinken wir immer, bevor ich nach Hause fahre, einen herrlichen kurzen schwarzen Kaffee aus der Siebträgermaschine.
Warum mich plötzlich das Miniaturespressomaschinchen aus Palermo breit anlachte, ist damit geklärt.

 
 
 
 
Für einen Solo-espresso mit mir ganz allein, habe ich eine superprivate Tasse. Es ist ein Einzelstück mit ein bisschen Goldauflage. Homemade in Atelier unARTig
Dazu die große Zuckerdose, die an die Zeiten erinnert, als raffinierter weißer Zucker noch ein Luxusgut war.
 

So genieße ich, was zu genießen ist; starker Kaffee, schöne Optik.

Mittwoch, 21. Mai 2025

Weisheit

 
Ich habe hier eine sehr hübschen Mitbewohnerin, von der ich mir gar nicht sicher war, ob sie den Winter überlebt hatte. Denn vor dem war sie bei mir eingezogen. Doch dann hatte ich sie eine ganze Weile gar nicht gesehen.   
Sie war im Topf meines Granatapfels untergekommen und hat sich da wahrscheinlich verbuddelt.

 

Irgendwann wurde sie scheinbar hungrig und kam aus ihrem Versteck. Die Freude war groß. Das Gartenjahr hatte begonnen, also dachte ich, ich entlasse sie in die Freiheit. Aber schwupps war sie wieder weg und ich konnte sie partout nicht finden. Als ich mal auf die Idee kam Nudeln zu kochen, klebte sie im Durchschlag. Doch kaum da sie sich in meiner Spüle gesättigt hatte, war sie auch schon wieder futsch. 

Im Moment habe ich sie im Auge. Soll ich sie nun auswildern, oder lass ich’s lieber bleiben?


Im Frühjahr ist mir etwas mit Altersweisheit passiert. Nein es war ja gar nicht Weisheit, es war vielleicht nur Alter mit dem Nebeneffekt von Selbstgerechtig- keit. Die entwickelt sich übrigens sehr viel leichter von selbst, als Weisheit. Wird allerdings seitens des Users gerne damit verwechselt. Und deswegen habe ich mir darüber so meine Gedanken gemacht. 

Man könnte ja glauben, dass man im Alter weise wird. Und dass sich das von ganz allein, durch die Anhäufung von Jahren einstellt. Ohne weiteres dazutun. Das glauben gerne gerade die, die jetzt „alt“ sind obwohl sie gleichzeitig glauben, dass man heutzutage mit 60 so jung ist, wie früher mit 40. 

Vielleicht schauen wir mal, wie Weisheit definiert wird. Man muss nicht überrascht sein, dass man auch auf diesem Gebiet Experten findet. 

 

 

 

Psychologen am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung haben die Begrifflichkeit von Weisheit so in Worte gefasst: 

Expertenwissen in Bezug auf die fundamentalen Tatsachen des menschlichen Lebens. 

Weisheit ist in tief gehender und anhaltender Selbstreflektion verwurzelt.

 

Oh das gefällt mir gut.

Aber man kann schon gleich erkennen, das passiert nicht einfach durch viele Jahre. Man kann durchaus alt werden und dumm geblieben sein. Und das ist auch gar nicht weiter schlimm. Jeder was er kann, würde ich sagen.

Dumm ist nur, wenn man dennoch annimmt, man sei klug. Andererseits ist das genau das, was dummen Menschen besonders leicht passiert. Daran ist aber, so scheint mir, auch nichts zu ändern. 

Darum wende ich mich gerne lösbaren Dingen zu.



Hier ist mein Schneckchen, mein Gast, an dem engobierten Steinzeugtopf, in dem meine zwei, mittlerweile 36jährigen Granatapfelbäume gedeihen.

Ich glaube, ich behalte es noch ein bisschen im Haus. Es ist zu trocken draußen. 
Und wenn Regen kommt, was wird das für einer? 
Ein Heftiger, der alles, was man da nicht haben will in den Keller spült? 
Oder ein Sprüh, der alles leicht einfeuchtet? 
Nach dem wildere ich mein Schneckchen aus!

P.S.: Dumm kann natürlich jeder sein, das hat überhaupt nichts mit dem Bildungstand zu tun


Sonntag, 16. Juni 2024

Gut aussehen

 


Als ich gestern Abend nach Hause komme, finde ich eine Ansammlung von blau vor. 
Blau die Stunde, blau die Tasse, die Serviette, Adressbuch, Streichholzschachtel uuund Brillenputztuch. 
Wir sind alle auf´s Visuelle gepolt. Und es gibt viele interessante und schöne Blickwinkel und Augenmerke. Hinschauen ist schon auch richtig, finde ich.
 
Wenn ich mit der Tram nach Bremen reinfahre, komme ich an (ich weiß es gar nicht genau, einem Fitness- studio?) vorbei. Außen die fette Werbung:      GUT AUSSEHEN.
In meiner Kindheit spielte der Satz 
"was sollen die Nachbarn denn denken, wie sieht das denn aus?" eine wichtige Rolle. 
Kämm dir die Haare, schnür dir die Schuh, du bist schief gewickelt, falsch geknöpft, was sollen die Nachbarn denken.
Auch damals sollte es vor allen Dingen gut aussehen
 
Nicht wenige Männer, die ihre Frauen schlagen achten darauf, dass das Gesicht nichts abbekommt. 
 
Gut aussehen, wobei hilft das? Macht mich das tüchtiger? Kann ich mit einem optimierten Körper, einem operierten Gesicht klügere Entscheidungen treffen? 
Bin ich ein besserer Mensch? 
 
Leider geht uns diese Übervisualisierung 
alle etwas an. 
 
Gut auszusehen ist ein Schutz, 
macht uns unangreifbar, so hoffen wir.

 
Dem ganzen blauen, zufälligen Arrangement ist es dagegen ganz und gar egal, dass ich mich daran freue.



Und völlig anderes Thema: Manchmal finde ich es schade, dass ich mich nicht einfach an die Scheibe setzen kann und Dinge (wie z.B. Tassen) nacharbeiten kann. 
Aber erstens keine Werkstatt und zweitens keine Zeit. 

Freitag, 31. Mai 2024

Nostalgia

 

 

Hab  dieses kleine Übertöpfchen

in unserer Straße gefunden. 
 
Keramik aus Italien. 
 
Ich würde sagen, meine Omi 
 
hätte sowas mitgebracht.


In vielen Haushalten von Frauen, die jetzt 120 Jahre alt wären, gab es diese Art italienischer Keramik. Ich hab es mitgenommen, weil ich es traurig fand, annehmen zu müssen, dass niemand einschätzen kann, wo es herkommt und was es für einen Wert hat. Hier habe ich es neben einer Keramik von mir stehen, die auch aus Steingut ist. 
 
Das Töpfchen von der Straße, beherbergt jetzt ein Sedum, welches noch was werden soll. 
 
 
Und in meiner Keramik, soll auch das Basilikum was werden, für den Hausgebrauch. 



Donnerstag, 8. Februar 2024

Armer Ritter

"Armer Bauer" auf Keramikteller, Steinzeug, engobiert mit Kupfer von Atelier unARTig


Den kennt, wer in meiner Zeit Kind war. Ich habe jetzt einen „armen Bauern“ draus gemacht. Vollkornbrot mit herrlich bruzzelig gebratenem Panchetta, das Ei mit Muskat und Salz im Brot, frische Tomaten und etwas Hartkäse, Pfeffer, Salz. Fertig. 
Der arme Bauer, was das ist, das wissen wir gar nicht. Wir sehen die teuren und schweren Traktoren und glauben der Bauer ist reich. Ist der Bauer reich, weil er einen dicken Traktor hat? Oder ist der Bauer arm weil er einen dicken Traktor haben muss? 
Auf jeden Fall ist das Gericht „ armer Bauer“ nicht ganz ohne Luxus. 
(Aber vielleicht wurde das Schwein auch notgeschlachtet…. und der gute Speck ist ein sehr endliches Vergnügen. Wer weiß es schon.)

 
Wenn Politik immer nur nach den eigenen Wünschen und Vorteile gehandhabt werden sollten, dann sollten die Traktorenproteste für mich ruhig weitergehen. Denn ich hatte folgende Vorteile:
Weil die Bauern mit ihren Traktoren hier alles blockierten, war ich, weil ich nicht arbeiten konnte, für jemanden der mich brauchte, erreichbar. Weil die Bauern fast alle Zufahrten zur Autobahn blockiert hatten, konnte ich so glatt wie seit Ewigkeiten nicht mehr, in drei-einviertel Stunden, die Strecke zwischen Bremen und Brühl hinter mich bringen.
Überzeugt das jetzt alle anderen? Nein!
Und deswegen gilt in einer Demokratie, dass man Lösungen findet, die sich irgendwie in der Mitte bewegen. In der Mitte von allen. Oder?



Schwierig?

Ja!!!

Sonntag, 23. Juli 2023

Schrittweise

oder Kistenweise? In unbekanntem Rythmus? Raum auf Raum. So kommen dann  auch die Dinge wieder zum Vorschein. Im Arbeitszimmer. Im Mal-Atelier, 
welches für was-auch-immer genutzt werden kann.
Jedenfalls fand sich gewichtig in einer, vom zuvielen Wasser im Keller betroffenen, Kiste die Teufelinnenskulptur mitsammt ihren Vorgängerinnen.
 

In der Blasenverpackung haben diese allerdings weiter den Weg zur Verwandlung beschritten. 
(Ich finde nicht, das sie aussehen, als könnten sie schreiten).

 
Vor etwa 14 Jahren hatte ich einen Tisch lackiert und als der noch nicht ganz ausgelüftet war, legte ich die beiden bleiernen Teufelinnen auf den Boden welcher mit einer Glasscheibe abgedeckt wurde, dem eigentlichen Tisch. 

 
 
Da begann die Transformation. Früher legten Künstler zur Gewinnung des Bleiweiß, das Blei in den Misthaufen, da geschah das Gleiche. Scheinbar konserviert in der Bläs-chenfolie, wurde nur der Prozess erhalten. Wenn ich meine beiden kleinen Teufelsweiber fester anfasse, zerfallen sie zu Staub.
Der Weg allen, tja was? Irdischen.
 

Samstag, 21. Januar 2023

Tee

Ich komme 
noch zu nichts. 
Keine Zeichnung,
keine Malerei.
Ich bringe das Haus, 
in dem ich nun wohne, 
auf Vorder -Mann, -Frau, -Divers.
(Oder geht das alles nicht?)

Ich warte nicht ab und trotzdem muss natürlich Geschirr da sein, um Tee zu trinken. Und das habe ich schon lange ausgepackt. 
   Man kann auch Tee trinken ohne abzuwarten.
 

Fast könnte es mir leid tun, dass ich meine Arbeit mit keramischen Werkstoffen an den Nagel gehängt habe. Aber nein, das ist schon gut so...
Dann darf eben nichts mehr kaputt gehen 
 

                         Stövchen, engobiertes Steingut, Milchkrüglein dito, Tasse, bemaltes Steinzeug,

                          Teekanne aus Kupfer und aus meiner Kindheit plus Kluntje im geschliffenem Bleikristallglas